Vorschau «Geomatik Schweiz» 7-8/2026

M. Meyer et al.: Stellschrauben für eine zukunftsfähige Schweizer Alpwirtschaft
Die Schweizer Alpwirtschaft erfüllt wichtige gesellschaftliche Funktionen: Nahrungsmittelproduktion, Ökosystemleistungen der Alpweiden und Bewahrung des kulturellen Erbes (Lauber et al. 2013, Pauler et al. 2025). Dies wird durch die Anerkennung der Alpsaison als immaterielles Kulturerbe der UNESCO gewürdigt. Doch trotz ihrer Wichtigkeit erschweren vielfältige Herausforderungen je nach Region die Bewirtschaftung der Alpbetriebe: Verbuschung, Mangel an qualifiziertem Personal, Trockenheit durch Klimawandel und Grossraubtiere. Bei der Beweidung zeigt sich eine zweigeteilte Entwicklung: Während flache, hüttennahe Bereiche durch moderne, grössere Milchkühe intensiver genutzt werden, bleiben marginale Flächen unterbestossen. Durch den Agrarstrukturwandel hat sich die Anzahl der Betriebe seit 2003 um 11% reduziert (Meyer et al. 2024). Da die Gesamtbestossung stabil bleibt, wachsen die verbleibenden Betriebe – ein Trend ähnlich jenem der europäischen Landwirtschaft (Eurostat 2023). Der Mangel an qualifiziertem Alppersonal erschwert die Bewirtschaftung der grösseren Betriebe und in einigen Regionen stellen sich Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter die Frage: Weitermachen? Und wenn ja: wie?

S. Contzen: Treue Fachkräfte gesucht – wie die Alpwirtschaft ihr Personal halten kann
Die Schweiz ist ohne Alpwirtschaft nur schwer vorstellbar. Doch steht sie heute mehr denn je vor vielfältigen Herausforderungen. Eine davon ist es, erfahrenes Personal zu finden und zu halten. Der Schlüssel dazu liegt alpseitig bei einer verbesserten Personalführung mit Fokus auf Wertschätzung finanzieller und immaterieller Art. Daneben braucht es bessere Rahmenbedingungen, um das Alpleben mit dem restlichen Leben zu verbinden, u.a. entsprechende Beschäftigungsarrangements.

S. Gfeller: Die digitalisierte Alp: Tracking und Ortung in der Alpwirtschaft
Die Bewirtschaftung von Alpen steht vor Herausforderung: Grosse, unübersichtliche und topografisch anspruchsvolle Flächen müssen mit knapperem Hirtenpersonal bewirtschaftet werden. Digitale Tracking- und Ortungssysteme versprechen Entlastung bei der Überwachung der Tiere. Ob sie diesem Anspruch gerecht werden, hängt stark von den technischen Rahmenbedingungen ab: Netzabdeckung, Energieversorgung, Kosten und, wie sich zeigen wird, auch die Rechtslage.

D. Mettler: Herdenschutz in der Alpwirtschaft: Welche Auswirkungen haben Grossraubtiere auf die Nutzung des Sömmerungsgebietes?
Der zunehmende Druck durch Grossraubtiere fordert die Alpwirtschaft heraus – insbesondere auf Schafal-pen, die sich meist in den periphersten Lagen der Alpwirtschaft befinden. Diese Randgebiete zu bewirt-schaften und gleichzeitig wirksam zu schützen, erfordert erhebliche Anpassungen – sowohl von den Bewirt-schafterinnen und Bewirtschaftern als auch von der notwendigen Infrastruktur, etwa bei Unterkünften oder Zäunungen. Der Beitrag zeigt auf, wie sich die Schafsömmerung seit der Rückkehr von Luchs und Wolf im Wandel befindet und welche Massnahmen umgesetzt werden, um eine langfristige Koexistenz zwischen der Sömmerungstradition und der Präsenz von Grossraubtieren zu ermöglichen. Neben der Umstellung der Weidesysteme sowie der strukturellen Entwicklung der Schafsömmerungsbetriebe prägt ein politischer Pro-zess über den Zeitraum einer ganzen Generation die Weichen für die zukünftigen Alpbewirtschafter.

P. Hug: Landmanagement und Geodaten für wirtschaftliche Inklusion von vertriebenen Menschen in Ruanda
Von Zwangsvertreibung zu wirtschaftlicher Selbstständigkeit: Wie die Swiss Land Management Foundation (SLM) zusammen mit dem UNHCR durch besseres Landmanagement und Geodaten die landwirtschaftliche Inklusion in Ruanda fördert. Hintergrund: Langzeit-Flüchtlingscamps erfordern wirtschaftliche Inklusion durch Landwirtschaft (UNHCR-Roadmap). Ruanda ist ein politisch stabiles Land mit progressiven Gesetzen, kämpft aber mit Landknappheit und Klimarisiken. RAVADI-Pilot Projekt: SLM und UNHCR fördern im Kirehe-Distrikt drei Säulen: Schutz natürlicher Ressourcen, Stärkung von Pachtverträgen als Kreditsicherheit und datenbasierte Entscheidungen. Rolle der Geomatik: Geodaten zu Naturgefahren, Boden und Märkten bilden das Fundament für klima-smarte Landwirtschaft und die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Geflüchteten und deren Gastgemeinschaften.

GS online www.geomatik.ch:
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