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Diskussion «Leitfaden Toponymie 2006, Stellungnahme SOGI und Diskussion»
Artikel 1-10 von 21



Robert Baumann
17. Juni 07 (11:01 Uhr)
Beitragsnummer: 1248
Einigung in der Kontroverse über die Schreibung von Orts- und Lokalnamen

Im geowebforum hat die seit bald einem Jahr geführte Diskussion um den Entwurf Leitfaden Toponymie 2006 zur Schreibung von Orts- und Lokalnamen ein grosses Echo erzeugt. Die Kontroverse hat sich ausgeweitet z.B. in den Stellungnahmen zum Entwurf der Verordnung über geografische Namen (GeoNV), in der Debatte des GeoIG im Nationalrat wie auch in zahlreichen Presseartikeln (vgl. [gis.hsr.ch/wiki/Lokalnamen.ch]).

Die Anliegen der Benutzer von geografischen Namen, insbesondere auch Orts- und Lokalnamen als wichtige Geoinformation sind:
• Die heutige Schreibweise der Namen soll als nachhaltige räumliche Referenz unverändert bleiben (zeitliche Stabilität)
• Die Namen sollten in allen Informationsträgern einheitlich geschrieben werden (vertikale Kongruenz)
• Die Namen dienen als Einstieg in Geoinformationssysteme. Sie sollen daher einfach schreib- und lesbar sein, eine allgemeine Akzeptanz aufweisen und soweit möglich und sinnvoll, in Anlehnung an die Schriftsprache formuliert werden (Praxistauglichkeit)


Es ist nun sehr erfreulich zu berichten, dass die Anliegen der vielen Benutzern von geografischen Namen als Geoinformation sowohl in der GeoNV abgedeckt werden können und dass sich auch eine Einigung in der Frage der Schreibregeln von Orts- und Lokalnamen abzeichnet:
Am 02.05.07 fand nämlich in Zug eine Sitzung zwischen Vertretern der SOGI und dem Bundesamt für Landestopografie statt. In der Diskussion konnten die Meinungen ausgetauscht und einige Missverständnisse geklärt werden. Es konnte eine Einigung erzielt werden, welche das Bundesamt für Landestopografie anfangs Juni 2007 im folgenden Kreisschreiben an die kantonalen Vermessungsaufsichten mitgeteilt hat:
• Deutsch: [urlx.org/cadastre.ch/1c51b]
• Französisch [urlx.org/cadastre.ch/fa38b]

Im Kreisschreiben wird das weitere Vorgehen festgelegt:
• Sobald die Verordnung über die geografischen Namen (GeoNV) einen konsolidierten Stand erreicht hat, wird swisstopo auf Grund dieses Verordnungsentwurfes eine paritätische Arbeitsgruppe zur Erarbeitung einer Technischen Verordnung über die geografischen Namen (TGeoNV) einsetzen. Diese Arbeitsgruppe wird allgemein gültige und breit abgestützte Schreibregeln über die Namen der topografischen Objekte in den Landessprachen erarbeiten. Bei den Schreibregeln für die deutschsprachige Schweiz werden dabei - unter Einbezug des Leitfadens Toponymie - die Weisungen 1948 leicht überarbeitet.
• Der Leitfaden Toponymie wird von swisstopo fertig gestellt und steht der oben genannten Arbeitsgruppe zur Verfügung. Nach Beendigung der Arbeiten dieser Arbeitsgruppe wird entschieden, ob und falls ja wann und wie der Leitfaden Toponymie publiziert wird.
• Die SOGI und ihre Vertreterinnen und Vertreter verzichten auf die Publikation der bisherigen Entwürfe des Leitfadens Toponymie und auf weitere Stellungnahmen in den Print- und Internetmedien.

Das Kreisschreiben enthält folgenden Aufruf:
«Die Kantone werden gebeten, bis zum Vorliegen der erwähnten technischen Verordnung keine Änderungen an der Nomenklatur vorzunehmen. Bei neu anstehenden Arbeiten sind wie bisher die Weisungen 1948 anzuwenden, obwohl sie auf Stufe Bund seit längerem keine gesetzliche Grundlage mehr aufweisen.»

Vgl. auch Artikel in der NZZ am Sonntag «Bund stoppt Dialektwelle auf der Landeskarte»
[www.lokalnamen.ch/bilder/20070617.pdf]


Allen Beteiligten für das Grosse Engagement im Name der SOGI ein herzliches, grosses Dankeschön!

Martin Schlatter
28. April 07 (20:49 Uhr)
Beitragsnummer: 1205
[www.tiroul.info] Erstes Wiki-Lexikon über Orts- und Flurnamen im Südtirol
Unter obiger URL kann momentan vorerst der «Name der Woche» abgerufen werden

Während in der Schweiz an toponymischen Leitfäden gearbeitet wird und einige meinen, einen Beitrag für die Kulturgeschichte zu leisten, indem sie Schreibweise von Orts- und Flurnamen teilweise bis zur Lächerlichkeit «vermundartisieren», wird im Südtirol von Privaten ein beeindruckendes Wiki für Orts- und Flurnamen aufgebaut. Merkmale dieses Wikis:

• Angaben zur Schreibung (pragmatisch geschriebene Referenznamen, vergleichbar mit Weisungen 1948; auf die lautnahe Schreibweise wird verzichtet, dafür wird die Aussprache sinnvoll behandelt vgl. unten). Ob es sich um eine amtliche Schreibweise geht, ist allerdings nicht bekannt.
• Aussprache (phonetische Schrift, Sounddatei zum Hören abrufbar, z.T mit verschiedenen Sprechvarianten)
• Angaben zum bezeichneten Objekt
• Punktgenaue Verortung auf der digitalen Landkarte
• Angaben zu schriftlichen Belegen und zur Etymologie
• Alles kostenlos und frei zugänglich (der Betrieb des Portals wird mit Spendengelder finanziert)
• Alle dürfen sich am Aufbau und der Pflege beteiligen, ein Team sorgt dabei für die Qualitätssicherung


Auch wenn der historische Hintergrund und die Sprachsituation im Südtirol nicht mit der Schweiz vergleichbar sind, lassen sich aus Sicht der Benutzer doch ein paar grundsätzliche Schlussfolgerungen aus dem Online-Lexikon «Tiroul» ableiten:

1. Die im Südtirol auf privater Basis begonnene umfassende, GIS-unterstützte und für die Öffentlichkeit frei zugängliche Dokumentation eines wertvollen Kulturgutes deckt sich ungefähr mit dem im geowebforum veröffentlichten Schema der Orts- und Flurnamen im Sinne einer Erweiterung des Namenbuchs [urlx.org/geowebforum.ch/4196f].

2. Orts- und Flurnamen sind bei der Südtiroler Bevölkerung anscheinend sehr beliebt, sonst würde nicht Fronarbeit geleistet. Auch an der Mundart für Orts- und Flurnamen freuen sich Südtiroler und sicher auch die Schweizer. Lautnah geschriebene Mundart gehört auch in der Schweiz in Namenbücher, wo phonetische Zeichen verwendet werden können. Ohne die Verwendung solcher Zeichen ist eine einigermassen vernünftige lautnahe Schreibweise problematisch. Für die gesprochen Mundart eignen sich auch Sounddateien, wie man sie nun im Wiki Tiroul auch ohne Kenntnis der phonetischen Zeichen sehr einfach anhören kann (Klick auf «Anhören», es öffnet sich z.B. der Windows Mediaplayer und man hört augenblicklich den (oder die) gesprochenen Namen (z.T. in unterschiedlichen Varianten).

3. Wird die Mundart auf obige Weise abgebildet, ist es nicht mehr nötig, in den Weisungen 1948 die Schreibweise in Anlehnung an die «ortsübliche» Sprechform als «lautnah» umzudeuten. Wird Anlehnung an «ortsübliche» Sprechform im Sinne der Erfinder (diverse Protokolle belegen dies), nämlich im Gegensatz zur Anlehnung an die «Etymologie» akzeptiert, so weisen die Weisungen 1948 aus Sicht der Benutzer kaum Widersprüche und Mängel auf. Wegen dem Missverständnis, «ortsüblich» als «lautnah» zu verstehen, obwohl die Grundsätze und Regeln der Weisungen 1948 dagegen sprechen, werden immer wieder neue Anläufe unternommen, angebliche (und bisher noch nie dokumentierte) Mängel und Widersprüche in den Weisungen 1948 zu beheben. Es werden dabei nicht nur viele neue Probleme produziert und in der Umsetzung ein grosses Chaos verursacht, sondern auch der Sprachfrieden in den Schweizer Gemeinden gefährdet. Anstelle sich über Orts- und Flurnamen wie im Südtirol freuen zu können, werden lautnah geschriebene Namen insbesondere bei den Gemeinden zu einem öffentlichen Ärgernis.

4. Mit einer Dokumentation der Orts- und Flurnamen wie sie im Südtirol begonnen wurde, ist es nicht mehr entscheidend, welche örtliche Sprechvariante die richtige ist. Alle Sprechvarianten können gehört werden. Kommen zusätzliche Varianten dazu oder verschwinden mit der Zeit gewisse Sprechweisen, so kann dies einfach nachgeführt und historisiert werden. Es müssen dabei nicht Hunderte von Einträgen in Registern, Dokumenten, abgeleiteten Namen usw. mit grossen Kostenfolgen geändert werden. Auch muss nicht mehr gestritten werden, ob die vielen Lautvarianten eher mit einem «en», einem «e» oder einem «ä» abgebildet werden (einfach die heutige Schreibweise beibehalten).
Es ist nicht ausgeschlossen, dass im Einzelfall ein Orts- oder Flurname geändert werden kann, wenn ein öffentliches Interesse geltend gemacht wird und das Kosten-/Nutzenverhältnis stimmt. Änderungen sind auf der Landeskarte nötig, wenn die offizielle Schreibweise aus der amtlichen Vermessung bisher nicht übernommen wurde (es ist davon auszugehen, dass es viele Streitfälle geben wird und es ist deshalb entscheidend, welche Schreibregeln beigezogen werden vgl. dazu auch[urlx.org/gis.hsr.ch/9869f]. Die Benutzer wehren sich nach wie vor vehement gegen eine weitere Veränderung der pragmatischen Schreibweise von Orts- und Flurnamen in eine völlig falsche Richtung. Gefordert wird die Beibehaltung der bewährten und sinnvollen Weisungen 1948 sowie Verzicht auf toponymische Leitfäden.

Weitere Überlegungen dazu vgl.
[urlx.org/gis.hsr.ch/242d4] Kulturgeschichte und Sprachwissenschaft
[urlx.org/gis.hsr.ch/b6f87] Kritk



Martin Schlatter
15. April 07 (14:34 Uhr)
Beitragsnummer: 1184
Nachfolgend einige Informationen zum aktuellen Stand der (mangelhaften) Regelung der Schreibweise von Orts- und Flurnamen:

«Horn oder Hore?» in der Aargauer Zeitung 12.April 2007 / «Fact Sheet Toponymie»
Widersprüchliche Statements in Zeitungsberichten, Politik und Fact Sheet Toponymie zur Regelung der Schreibweise von Orts- und Flurnamen

Sonntags-Blick vom 18. März 2007
Wie im geowebforum bereits gepostet, wird im Sonntags-Blick vom 18. März 2007 darüber berichtet, dass die swisstopo noch 2007 einen Leitfaden herausgeben wird, um Flurbezeichnungen wieder in Dialekt zurück übertragen zu können ...
vgl. [www.lokalnamen.ch/#20070318]

Aargauer Zeitung 12. April 2007
In der Aargauer Zeitung vom 12. April 2007 wird im Artikel «Horn oder Hore» von der swisstopo relativiert, dass es weder um mehr Mundart noch um mehr Schriftsprache gehe, sondern, um einen einheitlichen Gebrauch.
vgl.[www.lokalnamen.ch/#20070412]

Fact Sheet Toponymie der swisstopo vom 11. April 2007
Im Fach Sheet Toponymie vom 11. April 2007, welches die swisstopo auf dem Internet veröffentlicht,
vgl. [URL] [urlx.org/swisstopo.ch/69779] wird präzisiert, was «einheitlicher Gebrauch» heisst, nämlich eine Harmonisierung entsprechend Leitfaden Toponymie, bevor die Namen aus der amtlichen Vermessung in die Landeskarte übernommen werden sollen! (geht es wohl doch wieder um Mundartprobleme ? ....) Diese Aussage widerspricht jedoch der Erklärung von Bundesrat Schmid vom 6. März 2007 im Nationalrat: «die bisherige Schreibpraxis soll beibehalten werden.»
vgl. [www.lokalnamen.ch/#31_5]

Rückmeldungen 14. April 2007 der SOGI zum Fact Sheet Toponymie
Die SOGI kann das Fact Sheet Toponymie in der jetzigen Form nicht akzeptieren und begründet dies im beiliegenden Dokument.
[urlx.org/geowebforum.ch/fc2f2]
Die Weisungen 1948 sind nach wie vor anwendbar, haben aber seit 1954 keine rechtliche Grundlage mehr. Anstelle den Leitfaden fertig zu stellen und erst später leicht revidierte Weisungen 1948 wieder in Kraft zu setzen, soll auf die Fertigstellung des Leitfadens Toponymie verzichtet werden und direkt die Revision der Weisungen 1948 in Angriff genommen werden. Die SOGI hat der swisstopo dazu am 10. April 2007 einen ersten Entwurf zur Verfügung gestellt.

Fazit

1. Die bisherige Schreibweise der Orts- und Flurnamen soll entsprechend der Erklärung von Bundesrat Schmid beibehalten werden.

2. Auch die bisherigen Schreibregeln Weisungen 1948 sollen nach Ansicht der Benutzer (in leicht überarbeiteter Form) beibehalten werden.
Das wesentliche Element der Weisungen 1948 besteht darin, dass Orts- und Flurnamen in Anlehnung an das Schriftbild der Schriftsprache geschrieben werden, wobei allgemein gültige Begriffe übernommen werden sollen. Genau dieses Konzept stösst heute auf allgemeine Akzeptanz, wie dies in der Verordnung über Geografische Namen gefordert ist. Es soll daher nach Ansicht der Benutzer «Horn» als «Horn» belassen werden ebenso «Rosenberg» und «Auenfeld» und nicht auf «Hore», «Rosebärg» und «Auefäld» geändert werden. Um die grossen Unsicherheiten rasch zu beseitigen, soll auf die Fertigstellung des Leitfadens Toponymie verzichtet und dafür direkt die leichte Überarbeitung der Weisungen 1948 in Angriff genommen werden.

Weitere Infos wie immer unter [www.gis.hsr.ch/wiki/Weblinks_Orts-_und_Lokalnamen]

R_ckmeldungen_SOGI_14.4.2007_auf_das_Fact_Sheet_Topnymie.pdf

Martin Schlatter
6. April 07 (06:22 Uhr)
Beitragsnummer: 1175
Orts- und Lokalnamen(Flurnamen) im Tagesanzeiger mit Zitat: «Weisungen 1948 sind ganz vernünftig»
[urlx.org/geowebforum.ch/be0a2]

Bereits 1979 berichtete der Tagesanzeiger über die zum Teil groteske Schreibweise von Orts- und Flurnamen, welche inzwischen leider noch übertroffen wird. Im Kanton Thurgau wird nicht zwischen «Pfannenstiel» oder «Pfannenstil» gestritten, sondern die Nomenklaturkommission schreibt einfach «Pfanestiil». Interessante Statements aus diesem Artikel z.B.:

• Rudolf Knöpfl, damaliger Vizedirektor Bundesamt für Landestopografie:
«Spezialisten meinen, die Karte müsse ein Namensmuseum sein. Dieser Ansicht sind wir nicht. Die Karte ist kein Hort alten Namengutes. Für solche besonderen Wünsche müssten, wie in anderen Fällen auch, thematische Karten geschaffen werden.»

• Dr. Thomas Hammer, Redaktor am Schweizerdeutschen Wörterbuch:
«In letzter Zeit ist man sicher allzu sehr in Richtung Dialektschreibung gegangen. Am besten hält man sich möglichst genau an die eidgenössischen Weisungen; sie sind ganz vernünftig»


Schreibweise 1948 – 1979 – 2007 und in Zukunft

Im Artikel werden interessanterweise auch Tabu Themen wie Weltanschauung (Abschnitt «Unzutreffende Unterscheidung») und Zusammensetzung der Nomenklaturkommission (Abschnitt «Ist die Kommission richtig zusammengesetzt?») angesprochen. Während man heute der Auffassung ist, dass man «Auenfeld» und nicht «Auefäld» schreibt, scheiden sich die Geister, ob man «Katzensee», «Chatzensee» oder sogar «Chatzesee» oder «Chatzäsee» schreibt. Für alle Schreibvarianten gibt es Vor- und Nachteile. Man darf das Problem jedoch nicht punktuell an einem einzelnen Namen betrachten. Folgende Aspekte sind ebenso wichtig:
• Zusammenspiel der verschiedenen Namen und das generelle Schriftbild auf einer Karte
• Frage wann Namen in Anlehnung an die Schriftsprache und wann an die Mundart geschrieben werden
• allgemeine Akzeptanz und einfache Les- und Schreibbarkeit
• Verwendbarkeit der Namen für andere Namen (z.B. für Namen von Strassen, Haltestellen, Siedlungen, geologische Formationen, Planungen usw.)
• usw..

Aus all diesen Gründen hatten namhafte Experten 1948 Grundsätze als Kompromisslösung aufgestellt, auf welchen die Kantone zum Teil ergänzende (resp. auch abweichende) Regelungen aufgestellt haben. Die Weisungen 1948 bilden nach wie vor das Fundament, auf welchem die Schreibweise der Orts- und Flurnamen der Deutschsprachigen Schweiz aufgebaut ist. Soll nun dieses Fundament entzogen, vorübergehend durch einen Leitfaden Toponymie ersetzt resp. konkurrenziert und erst mittelfristig wieder in Kraft gesetzt werden?
vgl. Info V+D Dezember 2006, Seite 8 [www.cadastre.ch/pub/down/publications/bulletin/2006_3_de.pdf])
Die Benutzer sind sehr skeptisch und befürchten, dass es nie mehr gelingen wird, nachträglich das Fundament wieder so einzubauen, dass es den Ansprüchen der Benutzer genügt. Dies wäre sehr Schade auch für das wertvolle Kulturgut der Orts- und Flurnamen in der Schweiz, abgesehen von nie aufhörenden Diskussionen zwischen Bund, Kanton und Gemeinden. Die Presse hätte dabei noch mehr Gelegenheit, Missstände in der Öffentlichen Verwaltung zu kritisieren.


Pragmatische amtliche Namen – thematische Karten

Verfolgt man die gesetzlichen Grundlagen der Schreibweise der Orts- und Flurnamen, stösst man auf den Bundesratsbeschluss vom 22. Februar 1938 [www.lokalnamen.ch/bilder/19380222.pdf]. Dieser stützt sich auf Art. 950 des ZGB, wo das Grundbuch und die Pläne der amtlichen Vermessung geregelt werden. Es darf nicht vergessen werden, dass es sich hier um eidgenössische, amtliche Dokumente handelt. Der Bund hat seit 1938 die Pflicht, Grundsätze für die Schreibweise von Orts- und Flurnamen aufzustellen. Der Entzug der Weisungen 1948 würde einen riesigen Rückschritt darstellen und es wäre dann grundsätzlich besser, die Orts- und Flurnamen aus der amtlichen Vermessung zu eliminieren und eine thematische Ebene einzuführen, wie es bereits 1979 der damalige Vizedirektor des Bundesamtes für Landestopografie postuliert hat. Dies wäre als zusätzliche Ebene durchaus denkbar. Die Notwendigkeit einer offiziellen Ebene mit pragmatischen amtlichen Orts- und Flurnamen in der amtlichen Vermessung, welche als nachhaltige räumliche Referenz dienen sollen, ist jedoch absolut unbestritten. vgl. dazu auch Schema Orts- und Lokalnamen
[www.geowebforum.ch/uploads/1087_Schema_Orts-_und_Lokalnamen.pdf]


Leitfaden Toponymie – Änderung in mehr Mundart

Nachdem Bundesrat Samuel Schmid im Nationalrat verlauten liess, dass die Schreibweise der Orts- und Flurnamen entsprechend der bisherigen Praxis beibehalten werden soll, wäre eigentlich nahe liegend, auch das Fundament der bisherigen Schreibregeln zur Wahrung des Allgemeininteresses offiziell beizubehalten, anstelle den «Spezialisten» und «Experten» neu einen (von ihnen selber?) fachlich anerkannten «Leitfaden Toponymie» zur Verfügung zu stellen, um das «eingeschlichene» Hochdeutsche wieder in Dialekt zurückzuführen. Auch wenn dieser Leitfaden offiziell nicht als Empfehlung gilt, wird er bestimmt angewandt werden. Wozu ist er sonst da?
vgl. die wahren Absichten ...[urlx.org/geowebforum.ch/f6c26]
Der «Leitfaden Toponymie» scheint wohl bei den paar wenigen «Spezialisten» und «Experten» in der Schweiz so beliebt zu sein, da er den Nomenklaturkommissionen einen sehr weiten Spielraum für Mundart gewährt (vgl. Referat Richli an der Tagung in Schaffhausen [www.lokalnamen.ch/#24]). Warum hört das heutige Bundesamt für Landestopografie nicht auf Experten wie z.B. Dr. Thomas Hammer und Prof. Dr. Angelo Garovi? Die Gemeinden würden dies sehr begrüssen, da sie mehr Mundart klar ablehnen.


Verzicht auf mehr Mundart – Beibehaltung der bisherigen Schreibweise und
der Weisungen 1948


Die vielen Benutzer in der Schweiz fordern vehement die pragmatischen «Weisungen 1948» beizubehalten, da sie die Mundart sinnvoll einschränken. Wenn die Weisungen 1948 kritisiert werden müssten, dann eher, weil sie zuviel Mundart zulassen. Die Weisungen 1948 können als Kompromiss toleriert werden, da die Schreibweisen grundsätzlich so belassen werden sollen, wie sie sind. Mehr Mundart als Weisungen 1948 geht in eine völlig falsche Richtung und wird von den Benutzern immer bekämpft und in der Öffentlichkeit kritisiert werden! Zwischen den Weisungen 1948 und dem Leitfaden Toponymie bestehen grosse Unterschiede in den Grundsätzen, z.B. die Behandlung der Problematik Zwitterformen (vgl. [urlx.org/gis.hsr.ch/aee9f]).
Es ist davon auszugehen, dass mindestens ca. die Hälfte aller Stellen, welche im Anhörungsverfahren zu den Verordnungen des GeoIG eine Stellungnahme eingereicht haben, sich für die Beibehaltung der «Weisungen 1948» aussprach. Genaues ist dann zu erfahren, wenn die Ergebnisse der Stellungnahmen veröffentlicht sind.

vgl. [URL] [www.lokalnamen.ch/#30]

Ein paar dieser Stellungnahmen, sind bereits publiziert und demnonstrieren deutlich, dass mehr Mundart nicht auf eine allgemeine Akzeptanz, sondern auf grosse Ablehnung stösst:
• [www.lokalnamen.ch#29_sogi] SOGI Schweizerische Organisation für Geo-Information
• [www.lokalnamen.ch#29_sik_gis] SIK-GIS Arbeitsgruppe Geographische Informationssysteme (GIS) der Schweizerischen Informatikkonferenz
• [www.lokalnamen.ch#29_kkgeo] KKGEO Konferenz der Kantonalen Geodaten-Koordinationsstellen und GIS-Fachstellen
• [www.lokalnamen.ch#29_geosuisse] geosuisse Schweizerischer Verband für Geomatik und Landmanagement
• [www.lokalnamen.ch#29_grundbuchverwalter] VSGV Verband Schweizerischer Grundbuchverwalter
• [www.lokalnamen.ch#29_sia] SIA Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein
• [www.lokalnamen.ch/#29_schweiz_gemverband] Schweizerischer Gemeindeverband
• [www.lokalnamen.ch#29_ssv] SSV Schweizerischer Städteverband
• [www.lokalnamen.ch#29_rega] Rega Schweizerische Rettungsflugwacht
• [www.lokalnamen.ch#29_sbb] SBB Schweizerische Bundesbahnen
• [www.lokalnamen.ch#29_post] Die Schweizerische Post
• [www.lokalnamen.ch#29_arv] ARV Geoinformation und Vermessung
• [www.lokalnamen.ch#29_hsr] HSR Hochschule für Technik Rapperswil
• [www.lokalnamen.ch#29_asa] asa Arbeitsgruppe für Siedlungsplanung und Architektur AG

Weitere Infos wie immer unter Wiki HSR
[www.gis.hsr.ch/wiki/Weblinks_Orts-_und_Lokalnamen]


Pfannenstiel_oder_Pfannenstil.pdf

Martin Schlatter
20. März 07 (19:13 Uhr)
Beitragsnummer: 1153
Schluss mit Sprachsalat auf unseren Landkarten!

Während wir Benutzer von Orts- und Lokalnamen Argumente liefern [urlx.org/gis.hsr.ch/dc675] liefert MG als Vertreter der swisstopo (Name der Redaktion bekannt) Schlagzeilen im Blick: [www.lokalnamen.ch#20070318].

Blick-Zitat: «Es (...) hat sich (...) das Hochdeutsche eingeschlichen»: Da fragt sich der geneigte Leser: Woher? aus der Luft? MG versucht dem Blick-Publikum weiszumachen, dass das «Hochdeutsche» Schuld am Sprach-Chaos auf den Karten ist. Dieses herrscht dabei nicht einmal auf Landeskarten allein, sondern durch die Veränderungen der Flurnamen auf Karten vor allem auch in Berichten, Planungen, Registern, Auszügen, Verträgen, Expertisen, Protokollen usw. Aus Sicht der Benutzer stammt dieses Chaos ganz sicher nicht daher, dass sich das Hochdeutsche «eingeschlichen» hätte, sondern umgekehrt, weil die swisstopo und ein paar Nomenklaturkommissionen in letzter Zeit bewusst daran sind, unnötigerweise auf mehr Mundart umzustellen! Als Grund dazu wird denn auch gleich das Stichwort «Kulturgut» nachgeliefert.

Diese Aussagen stehen offensichtlich in grossem Kontrast zur Sicht der Benutzer, wie folgende Zusammenstellung zeigt: [urlx.org/gis.hsr.ch/242d4].

Das Chaos auf unseren Karten, Registern, Planungen usw. ist aus unserer Sicht entstanden, weil eine etablierte und offizielle Weisung in offensichtlicher Weise missachtet wird und regional Tausende von etablierten Flurnamen geändert wurden (im Kanton Thurau ca. 50% aller Flurnamen in den letzten Jahren!)
vgl. [urlx.org/gis.hsr.ch/de916] (Weisungen_1948).

Wenn die swisstopo noch dieses Jahr neue Schreibregeln im Sinne MGs einführen will, so wird nicht nur der Wunsch einer grossen Benutzermehrheit sondern auch der Wille des Parlamentes und des Bundesrates ignoriert! vgl. [www.lokalnamen.ch/#31].

Die SOGI wird die zum Teil klar geäusserten Interessen der Öffentlichkeit und der Benutzer vertreten. Sogar der Gemeinde- und Städteverband hat sich eingeschaltet ([www.lokalnamen.ch/#29_schweiz_gemverband]).

Martin Schlatter
11. März 07 (21:36 Uhr)
Beitragsnummer: 1135
Der Standpunkt der Benutzer zur Schreibweise von Orts- und Lokalnamen ist dokumentiert unter:
[www.lokalnamen.ch#Standpunkt]

Der Standpunkt der Benutzer deckt sich weitgehend mit «Mein Standpunkt in der Ortsnamenfrage» vom ETH Dozent für Kartografie, Prof. Dr. hc Eduard Imhof (1895-1986) ausser, dass Imhof dies (auch ohne Internet) viel besser formulieren konnte als wir Benutzer.
[www.lokalnamen.ch/bilder/imhof_1948.pdf]

Standpunkte und Stellungnahmen zur Schreibweise von Orts- und Lokalnamen
[www.gis.hsr.ch/wiki/Lokalnamen.ch]

Martin Schlatter
21. Januar 07 (14:57 Uhr)
Beitragsnummer: 1091
Anhörung der Verordnung über geografische Namen GeoNV, Frist 26. Februar 2007
Diverse Organisationen beteiligen sich aktiv an der Anhörung der Ausführungserlasse zum GeoIG [www.gis.hsr.ch/wiki/GeoIG] und beweisen damit das grosse Interesse, das schweizweit dem GeoIG und seinen Verordnungen beigemessen wird. Das GeoIG, insbesondere die Verordnung über geografische Namen (GeoNV) wird wichtige Auswirkungen auf die künftige Schreibweise von Orts- und Lokalnamen haben, welche hier auf dem geowebforum diskutiert wird.
Zu einem speziellen Punkt in der GeoNV wird auch auf [www.lokalnamen.ch] persönlich Stellung genommen.
vgl. dazu:
• [www.lokalnamen.ch/#27], wo sich am Beispiel der Vernehmlassung einer Einzelperson zeigt, dass sich auch weitere Kreise und Einzelpersonen beteiligen können.
• [urlx.org/gis.hsr.ch/40496]
• Schlussfolgerungen aus dem Ortschaften- und Siedlungsverzeichnis Kanton Thurgau
vgl.[www.gis.hsr.ch/wiki/Zusammenspiel_Orts-_und_Lokalnamen]


Inhaltsüberblick Wiki GISpunkt HSR und Weblinks Orts- und Lokalnamen
[www.gis.hsr.ch/wiki/lokalnamen.ch]

Martin Schlatter
2. Januar 07 (20:09 Uhr)
Beitragsnummer: 1088
Orts- und Lokalnamen nicht durch extrem mundartliche Schreibweise ändern, sondern so belassen, wie sie sind
Auch auf [www.blogwiese.ch] wird ab und zu über diese Frage diskutiert und es kommen Erkenntnisse zu Tage, welche im Wiki GISpunkt HSR zusammengefasst sind.
Ein paar Beispiele:

Können Orts- und Lokalnamen überhaupt mundartnah geschrieben werden?
Solange es nicht genügend Vokale gibt, um die Aussprache der jeweiligen Orts- und Flurnamen überhaupt einigermassen korrekt darzustellen, hat es trotz aktueller Dialektomanie schlicht keinen Sinn, die “angeblich korrekte örtliche Form” im Dialekt schriftlich fixieren zu wollen. Ganz abgesehen von der Entscheidung, welche der überlieferten, veralteten, differierenden oder aktuellen Formen die offizielle sein soll. Lassens wir also wies ist.
Quelle: [www.blogwiese.ch/archives/478#comment-18462]

Was haben Siedlungsnamen mit Orts- und Lokalnamen zu tun?
Antwort: vgl. [www.gis.hsr.ch/wiki/Zusammenspiel#Siedlungsdaten]

Warum sollen Orts- und Lokalnamen so belassen werden, wie sie sind?
Im Kanton Thurgau stimmen mehr als die Hälfte aller Siedlungsnamen nicht mehr mit den neuen, extrem mundartlichen Orts- und Flurnamen überein. Diese finden (verständlicherweise) als Siedlungsnamen keine Akzeptanz mehr. So bleiben die Siedlungsnamen in der bisherigen Schreibweise bestehen (Bravo!) und die extrem mundartlichen Namen erscheinen nur im Klammer (z.T. sogar mehrere Schreibversionen!). Details vgl. [www.gis.hsr.ch/wiki/Zusammenspiel#Siedlungsdaten_im_Kanton_Thurgau]

Wie sollen künftig Orts- und Lokalnamen geschrieben werden?
Antwort: vgl.[urlx.org/gis.hsr.ch/fdfe9]

Inhaltsüberblick Wiki GISpunkt HSR und Weblinks Orts- und Lokalnamen
[www.gis.hsr.ch/wiki/lokalnamen.ch]

Martin Schlatter
16. Dezember 06 (08:22 Uhr)
Beitragsnummer: 1087
Schema «Orts- und Lokalnamen» [www.geowebforum.ch/uploads/1087_Schema_Orts-_und_Lokalnamen.pdf]
Im Beitrag 1059 vom 3. Dezember 20006 [www.geowebforum.ch/thread.php?postingID=1059&reverse=true#1059] wurde über die Herbsttagung der SGK in Schaffhausen mit Thema «Schreibweise von Lokalnamen» berichtet. Ausgehend von Statements einiger Tagungsteilnehmer wurde das Postulat aufgestellt, dass es im Interessenkonflikt bei der Schreibweise von Orts- und Lokalnamen zwei unterschiedliche Gefässe zu nutzen gilt:
- Pragmatische Schreibweise (Karten und Pläne, Weisungen 1948)
- Mundartnahe Schreibweise (Namenbuch, thematische Geodatenebenen, allenfalls Tonwiedergabe)

Beigelegtes Schema «Orts- und Lokalnamen» verdeutlicht nun dieses Postulat der Benutzer auch in grafischer Form. Gemäss Stellungnahme zum Leitfaden Toponymie unterstützt die SOGI diesen als Grundlage für den Aufbau und die Nachführung von Namenbüchern. Der Leitfaden Toponymie ist im Schema beim Namenbuch enthalten.

Pragmatische Schreibweise (Weisungen 1948) beibehalten oder Wechsel zur mundartnahen Schreibweise (Entwurf Leitfaden Toponymie 2006?)
Leider bestand an der Herbsttagung in Schaffhausen nicht genügend Zeit, über die kontroversen Zielsetzungen eingehend zu diskutieren. Bei den Folien der Herbsttagung besteht daher ein gewisser Klärungsbedarf. So werden sich vielleicht einige Leser gewundert haben, warum auf den Folien 7 / 8 / 65 / 72 meines Referates [www.kartografie.ch/archiv/2006_herbsttagung/vortraege/schlatter.pdf] steht, dass die swisstopo bei den (revidierten) Weisungen 1948 bleibe und der Leitfaden für die Orts- und Lokalnamen der Amtlichen Vermessung nicht angewendet dürfe. Andererseits heisst es auf Folie 32 vom Referat Martin Gurtner, swisstopo [www.kartografie.ch/archiv/2006_herbsttagung/vortraege/gurtner.pdf], dass die Kantone vom Leitfaden Gebrauch machen können, aber nicht müssen. Aus Folie 28 jenes Referates könnte man entnehmen, dass «Weisungen 1948» und der «Entwurf Leitfaden Toponymie 2006» fast identisch sind. Im Wiki GISpunkt HSR wird anhand von Beispiel Azheimerhof aufgezeigt, dass je nach Wahl der Regeln die Schreibweise bestehender Orts- und Lokalnamen in der Amtlichen Vermessung geändert werden müssten oder nicht und beide Regelungen doch sehr unterschiedlich sind.
[www.gis.hsr.ch/wiki/Änderungen_Schreibweise_Lokalnamen#Aazheimerhof_belassen_oder_.C3.A4ndern_in_Oozemerhof_.3F]

Schema_Orts-_und_Lokalnamen.pdf

Martin Schlatter
3. Dezember 06 (07:40 Uhr)
Beitragsnummer: 1059
Vorträge zur "Schreibweise von Lokalnamen" anlässlich der Herbsttagung der Schweizerischen Gesellschaft für Kartografie SGK vom 3. November 2006 in Schaffhausen
[www.lokalnamen.ch/#24]

Alfred Richli, Mitglied der Flurnamenkommission Kanton SH, bestätigte in seinem Referat die Aussage der SOGI, dass der Leitfaden Toponymie 2006 wesentlich mehr Mundart zulässt als Weisungen 1948.
Beispiele von ausgeprägter Mundart bei Lokalnamen im Kanton SH:
Schulkarte Kanton SH
[www.gis.hsr.ch/wiki/Änderungen_Schreibweise_Lokalnamen#Schulkarte_des_Kantons_Schaffhausen]
Flurnamenkarte der Gemeinde Schleitheim (PDF 2MB, in Karte hineinzoomen damit Flurnamen lesbar werden)
[www.museum-schleitheim.ch/historie/Flurnamenkarte.pdf]

Sprachwissenschafter und Staatsarchivar Angelo Garovi, welcher viele Jahre als Experte in Nomenklaturkommissionen wirkte, wies in seinem Referat auf die Interessenkonflikte hin, welche sich aus den recht unterschiedlichen Aspekten von Lokalnamen ergeben. Er zitierte die Stellungnahme aus dem Jahre 1947 zu den Entwürfen der späteren Weisungen 1948 des Kantons Schaffhausen, verfasst vom späteren Regierungsrat Hermann Wanner:Ohne Benützung phonetischer Zeichen wird es nie gelingen, der reichen Vielfalt der Mundart gerecht zu werden mit all den Vokalen, Umlauten, verschieden ausgesprochenen Konsonanten und auch der Betonung. So wird auch eine konsequente Mundartschreibung in den Karten in jeder Hinsicht unbefriedigend sein, weil es den einen zu weit geht und unverständlich bleibt und den Verfechtern der Mundartschreibung doch wieder nicht genügen kann.
Ausgerechnet der Schaffhauser Hermann Wanner hätte die heutigen Auseinandersetzungen um den Leitfaden Toponymie 2006 nicht besser prophezeien können.

In meinem Referat legte ich die Gründe zur Beibehaltung der bewährten Weisungen aus Sicht der Benutzer dar und warnte vor der in Mode gekommen Änderungen von Lokalnamen in mehr Mundart. Die grosse Mehrheit der Benutzer bevorzugt allgemein weniger Mundart als Weisungen 1948 und kann sich mit dem bewährten Kompromiss von 1948 gerade noch begnügen.

Stellungnahmen einiger Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmer
zur Frage "Welches ist Ihre persönliche Meinung zur Schreibweise von Lokalnamen (Flurnamen) auf der Landeskarte?"

Link: [www.lokalnamen.ch/#24] (die Statements erscheinen nach den Referaten am Schluss des Abschnittes)
In den Statements einiger Beiträge wird auf die unterschiedlichen Aspekte bei Lokalnamen hingewiesen und es wird angeregt, für die unterschiedlichen Interessen unterschiedliche Gefässe zu nutzen:
Pragmatische Schreibweise
Für die Schreibweise von Lokalnamen in Karten und Plänen wie auch als Referenznamen sollen die für die Orientierung und Verständigung über Örtlichkeiten bestens geeignete Weisungen 1948 beibehalten werden (pragmatische Schreibweise, zeitliche Kontinuität, Normierung, einfache Schreib- und Lesbarkeit usw.)
Mundartnahe Schreibweise, Sprachwiedergabe
Sprachwissenschaftliche und historische Aspekte können mit Namenbücher, eigenständigen thematischen Geodatenebenen und künftigen Multimedialösungen (Klick auf Flurnamen und es ertönt die Aussprache) optimal abgedeckt werden (wissenschaftliche, lautnahe, phonetische Schreibweise von Lokalnamen, Berücksichtigung der Variabilität über die Zeit und unterschiedliche Aussprache der Bevölkerung, Hinweise auf die Bedeutung und Ursprung Lokalnamen usw.)

Anmerkungen
Selbst in Namenbücher (wie z.B. das jenige des Kantons Luzern) sind Stichworte grundsätzlich nach Weisungen 1948 verfasst. Für die Benutzer bedeuten nach Weisungen 1948 geschriebene Lokalnamen unverzichtbare Referenznamen, welche nicht verändert werden dürfen vgl. auch Beitrag 932 [www.geowebforum.ch/thread.php?threadID=418#932].
Es ist nicht so, dass die Schreibung gemäss Weisungen 1948 nur unter einem funktionalen Aspekt gesehen werden darf. Der berühmte ETH Professor Eduard Imhof, welcher die Weisungen 1948 stark mitgeprägt hat (aus Kompromissgründen lies er etwas mehr Mundart zu als ihm lieb war), ist ja bekannt für sein ausgesprochenes Flair für Schönheit und Harmonie in Karten und Plänen. Im Wiki GISPunkt HSR wird aufgezeigt, dass Weisungen 1948 eine wesentlich bessere Harmonie zwischen Orts-, Weiler-, Hof-, Flur- und Strassennamen ermöglichen als der Leitfaden Toponymie 2006 (vgl. [www.gis.hsr.ch/wiki/Zusammenspiel])

Links zum Thema Lokalnamen
[www.gis.hsr.ch/wiki/Lokalnamen.ch]

Peter Jordan
29. August 06 (20:09 Uhr)
Beitragsnummer: 932
Flurnamen dienen nicht nur der Verzierungen der Landeskarte. Und die Landeskarten sind auch kein raumreferenziertes Archiv der Sprachforscher. Die Flurnamen sind zuerst einmal Bezugspunkte zur Geländeansprache. Und dabei werden sie nicht zur momentanen Orientierung (z. B. bei einer Bergtour) sondern auch zur Beschreibung von Feldbefunden verwendet.

In den Naturwissenschaften aber auch in der Archäologie werden Flurnamen sowohl zur Lokalisierung der Funde wie auch zu deren Klassifizierung verwendet. So besteht in den Erdwissenschaften eine Konvention, dass Gesteinsabfolgen nach Toponymen der Landeskarte zu benennen sind (z. B. Palfris-Formation oder Fringeli-Schichten). Bei einer Änderung der Schreibweise auf der Landeskarte sind diese Wissenschaftszweige vor das Problem gestellt, entweder den Namen ebenfalls zu wechseln (und dadurch in der Literatur eine Verwirrung zu stiften), oder ihn beizubehalten und so den Bezug zur so genannten Typuslokalität aufzugeben.

Ähnliche Probleme ergeben sich, namentlich auch für Fundbeschreibungen, wenn die Flurnamen (aus kartographischen oder anderen Gründen) von Ausgabe zu Ausgabe langsam über das Kartenblatt wandern. Verschiebungen von mehreren Hundert Metern über die Letzten 100 Jahre sind keine Seltenheit! Ältere Beschreibungen sind so ohne Beizug historischer Karten kaum mehr verständlich.

Aus Sicht der deskriptiven Naturwissenschaften ist deshalb die anvisierte und z. B. im Thurgau bereits umgesetzte Reform der Namenschreibung verheerend.



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